| Editorial | |
| Literarisch gesehen | |
| Vergleich der Bevölkerungsverteilung | |
| Konkret gesehen: Was hilft ? |
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Editorial |
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Das explosionsartige Bevölkerungswachstum und insbesondere die Zunahme des Anteils älterer Menschen kennzeichnet die heutige Gesellschaft. Während zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf der Erde nur 978 Millionen Menschen lebten, waren es am Anfang des 20. Jahrhunderts bereits 1,65 Milliarden Menschen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Zahl der Weltbevölkerung in den nächsten 100 Jahren um das siebenfache ansteigen, von 1,65 auf 11,5 Milliarden. Dabei wird der Anteil älterer Menschen über 65 Jahren an der Bevölkerung noch wesentlich steiler ansteigen, während der Anteil der Kinder im Alter von 15 Jahren und darunter von 36 Prozent auf 20 Prozent absinken wird. Trotz des enormen Fortschritts der letzten Jahrzehnte sind die letzten Lebensjahre durch eine erhöhte Krankheitsrate und zunehmende Behinderungen geprägt. Daraus resultiert eine große Nachfrage nach Gesundheits- und Sozialleistungen. Als Folge wird die schnell zunehmende ältere Bevölkerung große soziale, ökonomische und ethische Probleme aufwerfen und das Gesundheitswesen sowie die sozioökonomische und politische Infrastruktur vieler Länder bis zum Äußersten beanspruchen. Folgen des Alterns sind eine eingeschränke Produktivität, eine abnehmende generelle Vitalität ("Schwäche der Betagten") sowie eine erhöhte Rate bestimmter Krankheiten. Zu letzteren gehören: kardiovaskuläre Erkrankungen. maligne Neoplasmen und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen; verschiedener Demenzerkrankungen (z.B. Morbus Alzheimer), Angstzustände und psychovegetative Störungen-, degenerative und metabolische Krankheiten (Arthritis, Arthrose, Diabetes und Osteoporose usw.) sowie das Nachlassen des Hör- und Sehvermögen. Daher muß die Förderung des "gesunden Alterns" sowie der Prevention oder eine drastische Reduzierung von Krankheiten und Behinderungen älterer Menschen eine zentrale Stellung in der Formulierung der Gesundheits- und Sozialpolitik vieler, wenn nicht aller, Länder im nächsten Jahrhundert einnehmen. Ist diese Frage erst einmal geklärt, so wird der praktische Versuch unternommen werden müssen, die Lebenserwartung beider Geschlechter einander anzugleichen. Denn schon seit Jahrzehnten ist bekannt, daß die in den industrialisierten Ländern lebenden Frauen viele Jahre länger leben als die Männer - in Mitteleuropa beträgt die Differenz bereits acht Jahre. Da die Lebensqualität der Frauen jenseits der Menopause meist mit Hilfe der Hormonzufuhr deutlich gebessert werden kann, lag es nahe zu fragen, ob auch Männer im Alter an einem Hormonmangel leiden - ob es also auch ein männliches Klimakterium gibt? Für diesen Lebensabschnitt gibt es zumindest bereits Namen: Andropause. Ein griechischer Kongreßteilnehmer schlug den Begriff "Andropenie" vor. Der Name impliziert als Ursache einer Andropenie einen Mangel an männlichem Hormon. Eine Zufuhr des männlichen Hormones Testosteron müßte demnach das Wohlbefinden der alternden Männer bessern sowie deren Lebensdauer verlängern. Testosteron ist das wichtigste im Hoden produzierte männliche Geschlechtshormon. Es stimuliert den Muskel- und Knochenaufbau, die Blutbildung und beeinflußt die Funktion des Gehirns so, daß Männer sich Frauen zuwenden und reguliert die Sexualfunktionen. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Testosteron-Produktion pro Jahr um etwa 1,2 Prozent ab, so daß viele Männer mit dem 65. Lebensjahr im Blut um ein Drittel erniedrigte Testosteron-Spiegel haben. Bei Männern mit Erkrankungen des Herzens, der Nieren oder der Leber, ist der Testosteron-Mangel noch größer. Bei dem komplexen Zusammenspiel der vom Hypothalamus gesteuerten Hormonproduktion ist bis heute noch nicht klar erkennbar warum Testosteron mit zunehmendem Alter vermindert gebildet wird. Die nachlassende Testosteron-Produktion könnte eine Folge einer altersbedingten allmählichen "Erschöpfung" des Hypothalamus sein. Da sich bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes meist eine weitere Abnahme des Testosterons im Blut findet, kann man daraus schließen, daß es zwischen dem allgemeinen Gesundheitszustand und der Höhe der Testosteron-Produktion einen ursächlichen Zusammenhang gibt. Die Hormonersatztherapie der Frauen hat einen doppelten Vorsprung gegenüber einer Hormontherapie des Mannes: einmal haben die Frauen im Gynäkologen einen eindeutigen Ansprechpartner und zum zweiten liegt bei Frauen eine jahrzehntelange Erfahrung mit der Hormontherapie, bzw. deren Nebenwirkungen vor. Die Situation der alternden Männer ist im Vergleich dazu sehr viel ungünstiger: nur selten findet man bei Patienten und Ärzten klare Vorstellungen über die Probleme des alternden Mannes - bzw. deren Lösung. Unklar ist auch, wohin sich der ratsuchende Patient wenden soll, wenn er - oder sein Hausarzt - einen Hormonmangel vermutet. Liegt ein nachweisbarer Hormonmangel vor so spricht man heute vom PEDAM - dem partiellen endokrinen Defizit beim alternden Mann. In diesen Fällen kann man den Hormonmangel durch eine therapeutische Gabe des fehlenden Hormons beheben. Medizinische Maßnahmen, wie z.B. die Hormonersatztherapie, können einen positiven Einfluß auf einige der obengenannten Krankheiten haben, indem sie präventiv wirken und das Auftreten unvermeidbare Krankheiten hinauszögern. Es gibt Beweise dafür. daß solche Maßnamen kardiovaskuläre Krankheiten und Osteoporose minimieren sowie den Ausbruch der Alzheimer Krankheit bei Frauen verzögern können. Es besteht eine dringende Nachfrage nach derartigen Erkenntnissen auch für Männer. Ohne Frage spielen ein gesunder Lebensstil sowie eine gesunde Umgebung auch eine wichtige Rolle bei der Prävention und der Reduzierung von Krankheiten und Behinderungen. Angesichts der obengenannten Betrachtungen besteht eine Nachfrage nach essentiellen epiodemiologischen Daten, um die grundlegende und klinsche Forschung zu intensivieren und neue und verbesserte Medikamente für die Prävention und Behandlung pathologischer Veränderungen, die mit dem Altem im Zusammenhang stehen, zu entwickeln. Ein holistisches Herangehen an diese neue Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird ein erhöhtes Maß an multidisziplinären und international koordinierten Forschungsbemühungen notwendig machen, unterstützt durch eine neue Partnerschaft zwischen Industrie und Regierungen sowie philanthropischen und internationalen Organisationen.
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